Gastvortrag von Prof. Dr. Thomas Studer

Machen Lernerkorpora Schule? Chancen und Probleme von Lernerkorpora am Beispiel eines neuen korpuslinguistischen Projekts zum schulischen Fremdsprachenlernen

Korpuslinguistik allgemein und besonders auch Forschungen zu Lernerkorpora haben Konjunktur (z.B. Díaz-Negrillo & Thompson 2013, Callies & Götz (eds.) 2015, Wisniewski i.Dr.). Allerdings betreffen die Untersuchungen meistens Erwachsene und/oder Lernende mit mittleren bis höheren Niveaus, und von diesen Zielgruppen werden in der Regel (schriftliche) Leistungen in einer Fremdsprache erhoben. Im Gegensatz dazu ist das Fremdsprachenlernen in der obligatorischen Schule, bei dem heute der so genannte Frühbeginn und der Erwerb von mehr als einer Fremdsprache verbreitete Modelle sind, bisher kaum Gegenstand moderner korpuslinguistischer Forschung geworden. Feststellen lässt sich jedenfalls, mindestens für die Schulfremdsprachen in der Schweiz, dass in den Lehrplänen und Lehrmitteln nach wie vor Grammatik-Inventare und Wortschatz-Listen dominieren, die nicht empirisch abgestützt sind und deren Bezug zu handlungsorientierten Lernzielen weitgehend offen bleibt.
Hier setzt ein neues Projekt an, das derzeit am Freiburger Kompetenzzentrum für Mehrsprachigkeit in Angriff genommen wird (KFM: www.zentrum-mehrsprachigkeit.ch/forschung/): Entstehen soll SWIKO, ein Schweizer Lernerkorpus für die schulischen Fremdsprachen, das sich von der Architektur her und was Vergleichskorpora angeht an FALKO (u.a. Reznicek et al. 2012) und bezogen auf verschiedene Zielsprachen und Kompetenzstufen an MERLIN (u.a. Abel et al. 2014) orientiert. SWIKO fragt danach, wie sich die linguistischen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler entwickeln, wobei diese Kompetenzen im Rahmen der Sprachverwendung - beim Sprechen und beim Schreiben - untersucht werden sollen, und zwar, unter Bezug auf den Ansatz Dynamic Language Learning Progressions (z. B. Bailey et al. 2014), bei der Realisierung sog. sprachlicher Makrofunktionen wie beschreiben oder erklären, die der Inhaltsorientierung als einer neueren Tendenz des schulischen Fremdsprachenunterrichts Rechnung tragen.
In meinem Beitrag möchte ich ausgewählte Fragen und Optionen vorstellen, die es beim Aufbau von SWIKO zu bedenken und zu entscheiden gilt, darunter Fragen der Datenerhebung (computerbasiert vs. traditionell; Meta-Daten), der Annotation und der Identifikation von Merkmalen der Lernersprache und der Zuordnung der Lernerproduktionen zu Kompetenzstufen. Diskutiert werden sollen diese Fragen einerseits literaturgestützt, andererseits mit Bezug auf Beispiele, Erfahrungen und Resultate aus anderen kürzlich abgeschlossenen oder laufenden KFM-Projekten.

Der Gastvortrag wird ausgerichtet vom ITT e. V. und dem Herder-Institut der Universität Leipzig.

Ort: Neuer Senatssaal, Ritterstraße 26, 04109 Leipzig

Zeit: 6. Juni 2016, 17.00 Uhr

Weitere Informationen zu Prof. Dr. Thomas Studer finden Sie hier .

 

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